Mitbewohner des Monats: Elster

Eine Elster (Pica pica) an ihrer Baustelle

Beleidigte Ringeltaube (Columba palumbus) direkt unterhalb des Elsternnestes: Das war immer unser Platz….

Räuberische Vogelkükenmörder, diebische Glamourjunkies und käckernde Unglücksbringer- an Elstern (Pica pica) lässt der Volksmund keine gute Feder. Kurzer Faktencheck dazu: Es ist wahr, dass Eltern im Sommer fast nur von tierischer Nahrung wie Insekten, Würmern, Gliederfüßern, Aas, Essensresten, Eiern, Kleinsäugern, Amphibien – und Vogelküken leben. Teil der Wahrheit ist aber auch, dass man ihnen keine nennenswerte Dezimierung der Singvögel unterschieben kann. Schon vor 30 Jahren erhielten sie ihren Freispruch als Singvogelvernichter: Der Bruterfolg vieler Vogelarten war in Gebieten, wo die Elsterndichte anstieg, sogar höher.

Mythen im Faktencheck

Toni Shepard und ihre Kollegen widerlegten 2014 den verbreiteten Glauben, Elstern flögen auf glänzende Objekte – in ihrer Studie hatten die neugierigen Tiere eher Angst vor dem angebotenen „Bling“. Und was die Funktion als Unglücksbote betrifft: Bei den Germanen soll sie als Botin der Todesgöttin Hel gedient haben, außerdem wurde sie als Aasfresserin – wie andere Rabenvögel- an Leichen beobachtet (Galgenvögel). Der falsche Ruf als „Unglücksrabe“ ist damit lediglich ein weiteres Beispiel für den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität.

Treu, schön und klug

Kommen wir zu ihren Vorzügen: Sie sind unverwechselbar, groß und mit ihrem metallisch glänzenden schwarz-weiß-Look wunderschöne Vögel. Sie sind treu – und zwar lebenslang. Außerdem gelten sie als besonders schlaue Tiere, die sich möglicherweise im Spiegel selbst erkennen. Darüber hinaus unterscheiden Elstern offenbar menschliche Gesichter. Ich sitze deshalb möglichst ungefährlich in der Nähe und hoffe, sie gewöhnen sich an mich – denn bis jetzt sind die beiden extrem scheu, was die miserablen Fotos erklärt.

Das Nest wird derzeit nur am Morgen und Vormittag weiter gebaut.
Elsternnest in der Buche. Es sieht etwas unordentlich aus – bekommt aber sogar ein Dach!

Nestbaumeister

Derzeit bauen die beiden ein Nest. Es ist groß und unordentlich – aber überdacht! Wenn der auffällige Vogel erst einmal drin ist, ist er vor meinen Blicken komplett verborgen. Bald wird die Buche ihre Blätter entrollen – dann dürfen die beiden sich bestmöglich geschützt fühlen. Ich werde die Familiengründung der Elstern von meiner Gartentreppe aus beobachten – oder zumindest belauschen- können.  Nur die Hälfte aller Bruten sind erfolgreich, denn die angeblichen Räuber haben selbst viele Fressfeinde, etwa Krähen und Greifvögel. Egal wie die Brut ausgeht: Am Ende des Sommers bleibt ihr Nest verlassen in der Buche zurück. Heute saß den Elstern schon ein möglicher Nachmieter in der Mittagssonne gegenüber und döste auf seinem Schlafbaum: Waldohreulen bauen keine eigenen Nester, sondern übernehmen besonders gern die der Elstern. Es wäre uns eine besondere Freude!

Die Waldohreule (Asio otus) schläft bei uns – brütet aber woanders. Vielleicht im nächsten. Jahr?

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