Coleoptera – Schwertscheidenflügel

Elytrenträger sind die artenreichste Tiergruppe der Welt – jede vierte Tierart ist ein Käfer. Gemeinsam haben sie alle ein festes Außenskelett mit Deckflügeln, die das eigentlich zum Fliegen verwendete zweite Flügelpaar bedecken und schützen. Der wissenschaftliche Name der Deckflügel mutet ein wenig lyrisch an: Elytren. Ihr oft strukturiertes, festes Äußeres gab der ganzen Ordnung ihren Namen: „Koleopterus“ ist der altgriechische Begriff für die lederne Schwerhülle und „opteron“ für Flügel. Von metallisch glänzend bis tarnfarbend – die Vielfalt der Käfer hat ihnen vergleichsweise viele Bewunderer eingebracht. Mein früherer Biologielehrer war in seiner Jugend ein Käfersammler und verriet uns einmal „Ich konnte die riechen“. 7000 Käferarten gibt es allein in Deutschland, davon habe ich bisher etwa 30 im Garten gefunden. Darunter auffällige Vertreter wie Maikäfer, Gartenlaubkäfer, Glühwürmchen, Marienkäfer und den Balkenschröter. Von anderen hatte ich vor diesem Blog noch niemals gehört.

Larve von Drilus concolor, dem Schneckenhauskäfer

Der Schneckenhauskäfer (Drilus concolor)

sieht zwar unspektakulär aus, hat aber ein interessantes Ernährungskonzept: Diese Käferlarve bohrt Gehäuseschnecken an, tötet die Schnecke mit Gift und überwintert im Schneckenhaus. Die Weibchen bleiben dort oft ihr Leben lang, die Männchen fliegen sich eine Partnerin suchen.


Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci)

Anthrenus verbasci, Wollkrautblütenkäfer


Auch dieser Käfer hat in seiner Jugend außergewöhnliche Essvorlieben. Die Larven fressen nämlich Kreatin aus Vogelnestern, Federn, Insektenresten – und sind damit ein gefürchteter Schädling in wissenschaftlichen Sammlungen. Sein Verwandter lebt auch als Teppichkäfer in Wohnungen (vorausgesetzt, der Teppich enthält Wolle). Erwachsene Käfer ernähren sich dagegen von Pollen, so wie dieser hier auf meiner Rose.


Der Seidige Glanzrüssler (Polydrusus formosus)

Polydrusus formosus, Seidiger Glanzrüssler

knabbert „erwachsen“ an den Blättern meines Haselstrauches, als Larve an den Wurzeln. „Erwachsen“ heißt für diese Käferchen 5 mm. Ein weiterer Rüssler, den ich nicht bis zur Art bestimmen konnte ist der hier:

Dickmaulrüssler, Otiorhynchus spec.

Dickmaulrüssller (Otiorhynchus spec.)

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)

Meine Mutter berichtet noch von Kartoffelkäferferien – die Schulkinder wurden auf die Felder geschickt, um Kartoffelkäfer zu sammeln – denn der hübsche Blattkäfer kann ganze Felder vernichten. Kartoffelkäfer stammen ursprünglich aus Mexiko und haben sich quasi weltweit verbreitet. Bei uns haben sie keine Fressfeinde, Bauern spritzen gegen den Befall. Klein- und Hobbygärtner dagegen müssen sammeln. Bei uns landete nur dieser eine. Er ist auch nicht auf Kartoffeln angewiesen, sondern befällt auch andere Nachtschattengewächse. 1935 wurde der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst gegründet. Der Slogan: „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht’ auf den Kartoffelkäfer!“


Lilienhähnchen (Lilioceris lilii)

Lilienhähnchen (Lilioceris lilii)


Aus der gleichen Familie wie der Kartoffelkäfer stammt das Lilienhähnchen, das Lilien (der auch meine Schachbrettblumen) frisst. Bei Gärtnern sind sie als Schädlinge gehasst. Ihre Larven entwickeln sich in einem schleimigen Kotsack in der Erde. Die Imagos lassen sich bei Gefahr fallen und bleiben auf dem Rücken liegen – die schwarze Unterseite ist weniger sichtar.

Goldglänzender Rosenkäfer (Cetonia aurata)

Gemeine Rosenkäfer (Cetonia aurata)


Dieser leuchtende Brummer frisst in den Rosen Pollen und Blütenblätter, er mag aber auch die Blüten des Hollunders und viele mehr. Diesen hier hat die Tochter aus der Regentonne gerettet. Rosenkäfer sind geschützt und waren 2000 „Insekt des Jahres“. Sie können einen besonderen Trick: Sie fliegen mit geschlossenen Elytren (das zweite Flügelpaar wird darunter rausgerklappt). Das sieht aus, als schwebe ein schimmerndes Bonbon umher.

Der Picknickkäfer (Glischrochilus quadrisignatus)

Picknickkäfer (Glischrochilus quadrisignatus)

wurde vermutlich mit der Luftbrücke nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland eingeschleppt, jedenfalls wird er seit 1948 beobachtet. In seiner nordamerikanischen Heimat gilt er als bedeutender Nutzpflanzen-Schädling, er frisst reife und beschädigte Früchte, beißt junge Maiskörner an und leckt Baumsäfte. Dabei überträgt er offenbar auch Pflanzenkrankheiten. Seinen Namen hat er vom englischen „Picknick-Beetle“ – weil er sich gerne zum Picknick einlädt.


Der Zweifleckige Warzenkäfer (Malachius bipustulatus)

bietet seiner Auserkorenen ein Liebessekret, das sie paarungsbereit macht. Sein Verwandter, der

gebänderte Warzenkäfer (Anthocamus fasciatus)

hat auch Drüsen mit einem „Liebestrank“, allerdings an den Flügelspitzen, also hinten. Die Partner führen daher eine Art Tanz auf. Der Zipfelkäfer rechts ist ebenfalls mit den beiden verwandt.

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