Der Busch der Erkenntnis

Jubiläum! Schon ist ein Jahr rum, seit ich mich dazu durchgerungen habe, mich durch Tutorials und Forenfragen zum Thema „Wordpress für Anfänger“ zu pflügen und meinen Blog einrichtete. So richtig Freunde sind diese äußerst nützliche Software und ich aber immer noch nicht – die Verschlagwortung klappt nicht richtig und um „Suchmaschinenoptimierung“ mag ich mich in meiner Freizeit erst recht nicht kümmern. Leider muss die Jubiläumsgala mit den Heerscharen von Lesern coronabedingt entfallen ;-), daher ein kurzes Fazit.

Zahlreiche Entdeckungen

So richtig viel gelernt habe ich nicht über das Bloggen, aber über meine Mitbewohner im Wohngebiet westlich der Ruhrgebietsrandstadt Unna. Einige unscheinbare Gartenbewohner sind erst jetzt in mein Bewusstsein vorgedrungen, wie die Heckenbraunelle oder der Zilpzalp. Sie sind tarnbraune Vögelchen, die neben ihren bunten Verwandten wie Stieglitz und Buchfink immer unter meinem Radar geflogen sind.

Auch von den kleineren Tieren habe ich viele erstmals wahrgenommen, davon einige echte Schönheiten wie die Rotpelzige Sandbiene oder den Zwölfpunkt-Pilzmarienkäfer, die  „Frühe Großstirnfliege“ oder den Aurorafalter, zu dem mir noch ein Foto fehlt.

Überhaupt der ganze Insektenkosmos. Zwar erinnere ich mich dunkel an die entnervenden Versuche aus dem Biologie-Grundstudium mit einem Bestimmungsschlüssel Spinnen und Zweiflügler zu benennen – aber das wirkliche Ausmaß von Artenvielfalt selbst in meinem ziemlich konventionellen Garten, das Wunder der Metamorphose und die Grausamkeiten des knallharten Überlebenskampfes, der an vermeintlich friedlichen Sonnentagen rund um meinen Liegestuhl tobt, hatte ich weitgehend verdrängt. Jetzt sitze ich in Corona-Gefangenschaft und bin dankbar für die kleinen Fluchten in diesen Mikrokosmos, in dem es tatsächlich kaum langweilig wird.

Neue Bekannte

Großer Wollschweber

In den sonnenwarmen Ostertagen habe ich mich über die putzigen Wollschweber amüsiert – rein optisch eine Kreuzung aus Hummel und Kolibri, systematisch zu den Fliegen gehörend. Um dann zu lernen, dass sie der Alptraum gewisser Sandbienen sind – sie legen ihre Eier vor den Nestern ab, die Maden ernähren sich dann von deren Brut. (Über Fliegen gibt es ohnehin viel Wunderliches zu erzählen. Ein andermal. )

Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva)

Märzfliegen kannte ich auch nicht namentlich, fand sie aber immer irgendwie „fies“, wie sie so mit hängenden Beinen in der Luft standen. Jetzt weiß ich immerhin, dass sie nicht stechen, obwohl sie zu den Mücken gehören. Ich kenne den Eingang zum unterirdischen Palast der Erdhummelkönigin und weiß, wie „Marienkäferkinder“ aussehen. Mir ist klar geworden, dass die Pflanzenwahl im Garte nicht unter ausschließlich ästhetischen Kriterien getroffen werden sollte und Baumarkt-Sommerblumen eher als „Deko“ denn als Pflanze zu verstehen sind. Dafür weiß ich jetzt, wie „Behaartes Schaumkraut“, Lungen- oder Habichtskraut aussieht. Ich habe also viel gelernt, und nicht nur fachlich.

Meine Grenzen erfahren

Eine weitere Lektion erhielt ich in Demut. Denn meiner Ausgangsfrage, wie viele Arten mein Garten wohl beherbergen mag, bin ich natürlich nicht wirklich näher gekommen. Kürzlich zählte ich mit den Kindern die bisher entdeckten Vogelspezies (immerhin 20!). Die Sechsjährige fragte anschließend gewohnt fordernd, wie lange ich für die Auflistung der übrigen Tiere im Garten wohl bräuchte. Darauf gibt es nur eine Antwort: Den Rest meines Lebens. Mindestens.

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